E-Mail an den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg
Angesichts der Opfer, die die Loveparade in Duisburg gefordert hat, bin auch ich traurig, wütend und zornig. Dennoch: Der Hass und die Wut, die den Verantwortlichen nun entgegenschlägt, halte ich nicht für gerechtfertigt. Es ist völlig unhaltbar anzunehmen, dass die Stadtverwaltung, insbesondere in der Person von Oberbürgermeister Adolf Sauerland, den Tod so vieler Menschen bewusst herbeigeführt hat. Die Loveparade war nicht zuletzt auch ein Prestigeprojekt der Veranstalter der “Ruhr.2010″ – somit war auch der Druck, der auf der Stadt lastete angesichts dieses Hintergrundes nicht vergleichbar mit der Absage, die im Jahre 2009 zur Absage der Loveparade in Bochum führte. Viele Verantwortliche wollten diese Loveparade auf Biegen und Brechen durchführen – nicht nur aus Duisburg – und das ungeachtet der prekären Finanzlage unserer Stadt! Es ist kein Geheimnis, dass auch der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg zu den Favorisierern gehörte – dennoch ist es aberwitzig zu behaupten, dass es keine Planungen gegeben hätte; dass die Entscheidungsträger einfach mal die Menschen “hat kommen lassen”.
Das Sicherheitskonzept als solches hatte Lücken – das ist keine Frage, denn sonst hätten wir nunmehr nicht 20 Tote zu beklagen – es ist aber nicht zu rechtfertigen, dass den Entscheidungsträgern nun so viel blinder Hass entgegenschlägt. Man kann hier wohl eher von menschlichem Versagen sprechen – und davon, dass die Loveparade für die Stadt Duisburg eine Nummer zu groß gewesen ist.
Die Ministerpräsidentin von NRW, Hannelore Kraft, hat diesbezüglich bereits darauf hingewiesen, dass solche Großveranstaltungen zukünftig direkt durch das Innenministerium betreut werden müssten, wo erfahrene Kräfte, die mit solchen Massenaufläufen vertraut sind, die Planungen übernehmen und nicht kommunale Kräfte, die auf diesem Gebiet keine bis wenige Erfahrung haben und somit das Scheitern immer eine große Option ist.
Der Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland, hat am 25.07. den Ort des Geschehens besucht und Blumen niedergelegt. Daraufhin ist er nicht nur ausgebuht worden, sondern auch mit Eiern beschmissen worden – und das, wo die Schuldfrage noch nicht mal im Ansatz geklärt ist. Es ist auch für mich keine Frage, dass Herr Sauerland als OB zurücktreten sollte, jedoch hat er eine solche Behandlung – zumal er als Trauernder zum Unglücksort gekommen ist – nicht verdient! Es ist immer leicht, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, der in der Verantwortung steht, jedoch muss man in einem Rechtsstaat zunächst mal abwarten, wie es um die Wahrheit bestellt ist, bevor man jemanden an den Pranger stellt!
Besonders aufschlussreich ist auch dieser lesenswerte Artikel auf Spiegel-Online: Imageprojekt Loveparade – Party um jeden Preis
Ich habe Herrn Sauerland heute Abend eine E-Mail geschrieben, weil ich mich das wirklich bedrückt hat