Merkel braucht ein Sommermärchen!

Deutschland muss sparen. Das weiß jeder, der sich nur ein wenig mit der desolaten Finanzlage unseres Landes beschäftigt. Und weil wir so dringend sparen müssen, ist die erste Einsparungsmaßnahme die, dass wir uns auch nur noch billige Ausreden dafür leisten können, wo wir mit dem Sparen anfangen sollten…

Der amerikanische Drehbuchautor Dennis O’Neil prägte einmal den Satz: “Für Geld kann man sich keine Freunde kaufen, aber es verschafft einem zumindest ordentliche Feinde.” – und um diese brauchen sich Merkel und ihre Regierungsmannschaft in diesen Tagen nun wirklich nicht zu sorgen. Dabei könnte Merkel zur Zeit etwas Ruhe gebrauchen: Zuerst kommt ihr der Bundespräsident abhanden und auch der von der Union favorisierte Nachfolger Christian Wulff findet in der Koalition nur verhaltene Zustimmung; dazu gibt es im schwarz- gelben Bündnis auch sonst mal wieder richtig Krach: Von Wildsäuen und Gurkentruppen ist da die Rede, weil es mit einer Einigung der Juniorpartner FDP und CSU bei der Gesundheitsreform einfach nicht klappen will. Merkel, ganz die Übermutti, rief anschliessend die kleinen Partner zur Ordnung: “Diese Wortwahl ist nicht nachahmenswert und trägt auch nicht dazu bei, dass so hart gearbeitet werden kann, wie das notwendig ist”. Klasse, das hat gesessen!

Doch auch trotz dieses Machtwortes: die Stimmen, die Angela Merkel eine Führungsschwäche attestieren, werden immer lauter. Zuletzt war es gar die Junge Union, die von der Kanzlerin mehr Führung einforderte. Auf die Frage, ob denn ihre Autorität in Frage stehe, antwortete sie gegenüber einem Jornalisten, der einfach mal nachgefragt hatte, nur ein knappes “Nein!”. Was hätte sie auch anderes antworten sollen?

Quasi als Sahnehäubchen hat die Koalition dazu noch ein gigantisches Sparpaket vorgestellt, mit dem weiteres Ungemach droht, denn dieses 80 Milliarden-Paket wiegt so schwer, dass auch der stärkste Kanzler dieses nicht ohne Blessuren zu erleiden durch seine Amtszeit würde tragen können. Nun steht der Riese Merkel angesichts dieser Last und der sonstigen Querelen zwar wankend da, doch fällt er nicht. Noch nicht.

Die bittere Pille, die Merkel und ihre Mannen dem Volke mit ihrem Sparpaket verabreichen zu beabsichtigen, hat nämlich starke Schlagseite und trägt eine eindeutige konservativ- neoliberale Handschrift. Dies wird unausweichlich dazu führen, dass die Opposition mit voller Breitseite auf die auf tönernen Füßen stehende Merkel feuern wird, denn diese wird sich das sozial völlig unausgewogene Sparpaket nicht ohne Protest vor die Nase setzen lassen.

Ein wenig feixen kann vielleicht noch Guido Westerwelle. Der glücklose Außenminister und Parteivorsitzende der FDP konnte die Pläne seiner selbsternannten Steuersenkungspartei zwar nicht durchsetzen, weil es bedingt durch das Sparpaket keine weiteren Steuersenkungen geben wird, jedoch konnte er verhindern, dass sich Vertreter der Union mit Steuererhöhungen, z.B. einer erhöhten Steuer für Wohlhabende, durchsetzen konnten. Nach den weitgehend verpatzten Steuersenkungsplänen hätten Erhöhungen seine Wählerschaft und seine Partei wohl vor eine Zerreißprobe gestellt.

So bleibt der Kanzlerin in diesen Wochen nur eines: Kräftig die Daumen drücken, dass Deutschland bei der Fußball-WM Weltmeister wird und die schwarzen Wolken für ein paar Wochen der Siegeseuphorie weichen. Denn wie hieß es schon bei den Rolling Stones: “Angie, Angie, when will those clouds all disappear? Angie, Angie, where will it lead us from here ? “.

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