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Die Zeit ist abgelaufen!

30 Jul

“Der Apfelkern kennt seine Zeit”, sagt ein russisches Sprichwort und meint damit, dass es für alles im Leben einen richtigen Zeitpunkt gibt.

Adolf Sauerland ist dieses Sprichwort scheinbar nicht bekannt. Das Duisburger Rathaus mit seinen mächtigen Holztüren ist für ihn im Augenblick wohl so etwas wie eine Trutzburg, in der er die massiven Rücktrittsforderungen und Vorwürfe gegen seine Person offensichtlich stur und unnachgiebig auszusitzen gedenkt. Und gewiss: Ich selbst habe ihm vor ein paar Tagen eine E-Mail geschrieben, in der ich zwar auch zum Ausdruck brachte, dass er als Oberbürgermeister gut daran täte, seinen Posten zur Verfügung zu stellen, ihm jedoch auch mein Mitgefühl für all die Wut und den Hass der Menge, die auf ihn einprasselt, entgegenbrachte.

Die Frage warum ich das tat liegt darin begründet, dass ich als überzeugter Demokrat zunächst einmal davon ausgehe, dass eine Schuld erst bewiesen werden muss, bevor man jemanden verurteilt. Eine Person öffentlich an den Pranger zu stellen, zu beschimpfen und ihn und seine Familie mit Morddrohungen zu überziehen, ist nach meiner Auffassung von Recht völlig inakzeptabel!

Gleichzeitig ist es ebenso unverständlich, dass ein Berufspolitiker wie Adolf Sauerland derart wenig Gespür für angemessene Reaktionen hat und offensichtlich nicht zwischen politischer und persönlicher Verantwortung zu unterscheiden vermag. Es ist daher mehr als erstaunlich, dass ein Mann wie er es an die Spitze dieser Stadt geschafft hat, denn als Chef der Verwaltung, der der Oberbürgermeister nun einmal ist, muss er die politische Verantwortung tragen – ohne Wenn und Aber. Dazu gehört, dass er als Befürworter der tragischen Loveparade in Duisburg eine moralische Verantwortung übernimmt und von seinem Amt als Oberbürgermeister zurücktritt. Eine persönliche Schuld – ich hatte das in einem anderen Beitrag bereits deutlich gemacht – ist davon unberührt und eine separate Fragestellung!

“Die Würde des Menschen ist unantastbar”, so steht es im Grundgesetz. Was aber, wenn ein Mensch seine Würde selbst an den Kleiderhaken hängt und sich, seine Familie und auch eine ganze Stadt der Würdelosigkeit preisgibt? Dass ein Bürgermeister nach dem Chaos der ersten Tage, wo zahlreiche Details noch nicht geklärt sind und die zentralen Fragen der Geschehnisse noch aufgearbeitet werden müssen, erst einmal abwartet und sich selbst noch über seine Rolle im Klaren werden und das Geschehene für sich selbst als Mensch verarbeiten muss, kann ich persönlich noch nachvollziehen. Nach dem unwahrscheinlichen Druck aus der Politik und der Bevölkerung ist es mir spätestens mit dem heutigen Tage allerdings völlig unverständlich, wie Herr Sauerland nach Lage der Dinge noch immer davon ausgehen kann, das Ende dieser tragischen Geschichte, die sich noch Wochen hinziehen kann, aushalten zu können. Wie man dieser Tage in den Zeitungen liest, spielt zuletzt vielleicht auch die finanzielle Zukunft von Herrn Sauerland eine nicht unerhebliche Rolle: Da die Gemeindeordnung offenbar keinen Rücktritt eines Oberbürgermeisters vorsieht, müsste er bei der Ministerpräsidentin zur Entlassung aus seinem Amt um die Auflösung seines Beamtenverhältnisses bitten. Der ehemalige Studiendirektor Sauerland, immerhin 55 Jahre alt, verlöre damit all seine Bezugsansprüche auf eine Pension. Einzige Lösung wäre da, dass er ordentlich als Oberbürgermeister abgewählt wird – damit blieben auch seine Ansprüche erhalten. Die Partei Die Linke hat hierzu bereits einen Antrag gestellt, allerdings tagt der Rat nach der Sommerpause erst wieder Anfang Oktober. Dass Sauerland bis dahin durchhalten kann, scheint zweifelhaft. Dazu die Vorstellung, dass Adolf Sauerland irgendwann in ein paar Wochen bei einem Fest in der Stadt das Fass ansticht – schier undenkbar!

Es sind schon ganz andere Politiker für ganz andere – und im Vergleich harmlosere – Vorgänge vor die Öffentlichkeit getreten und haben ihren Rücktritt erklärt. Adolf Sauerland schadet unserer Stadt mit jedem weiteren Tag, in dem er sich an sein Amt klammert, nachhaltig und hat das schmale Zeitfenster, welches ihm für einen Rücktritt blieb, um der Stadt, dem ganzen Land und auch dem Ausland zu zeigen, dass er ein Mann von Format ist und auch Verantwortung zu tragen vermag, unwiderruflich überschritten.

Dabei hätte er auch nach der für Duisburg verhängnisvollen Katastrophe für unsere Stadt noch etwas herausholen können: Er hätte zeigen können, dass Duisburg eine Stadt ist, in der Verantwortung nicht kleingeschrieben wird, sondern als stille Wiedergutmachung für das, was ja gar nicht wiedergutgemacht werden kann, VERANTWORTUNG übernommen wird. Ein vergleichsweise kleiner Schritt für einen Menschen wie Sauerland, aber ein Großer für all die Menschen, die in ihrem Leid und ihrer Trauer verzweifelt nach Antworten und eben jenen Personen suchen, die sich zu ihrer – wenn auch nur moralischen – Schuld bekennen! Ein Akt der Größe in einer schier erbarmungswürdigen Stunde!

Sauerland hat unserer Stadt stattdessen jedoch einen wahren Bärendienst erwiesen und jeder weitere Tag, in der dieser Oberbürgermeister im Amt ist, ist ein Schlag ins Gesicht für die Opfer, die Bürger dieser Stadt und für die ganze Nation!

Das Zeitfenster für eine würdevollen Rücktritt hat sich geschlossen – und Adolf Sauerland wird als tragische und jämmerliche Figur in die Geschichte dieser Stadt eingehen – das hat er sich sicherlich anders vorgestellt. Aber “wer zu spät kommt”, das wusste schon Gorbatschow, “den bestraft das Leben!”

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Die Treibjagd hat begonnen!

27 Jul

“»Der Pöbel ist ekelhaft, scheußlich«… »Sie sind wie die Wölfe, die man nur mit Fleisch beruhigen kann.«” – Leo Tolstoi, Krieg und Frieden

Nun ist es passiert: Offenbar reicht es den vielen Kritikern von Adolf Sauerland nicht mehr, in zu beschimpfen und mit Eiern zu bewerfen – nein, jetzt will der Pöbel Blut sehen: Gegen Adolf Sauerland – und auch gegen seine Familie – wurden mehrfache Morddrohungen ausgesprochen; er selbst als “Mörder” beschimpft.

Dies hat dazu geführt, dass der Oberbürgermeister seit Sonntagnachmittag unter Polizeischutz steht und seine Familie Gerüchten zufolge im Sauerland in Sicherheit gebracht hat.

Leider ist diese Erscheinung nicht verwunderlich, wenn man sich die Hetze der Presse in den letzten Tagen durchliest. Natürlich ist zu kritisieren, dass OB Sauerland sich bisher noch nicht zu einer Entscheidung durchgerungen hat, ob er als OB nun zurücktritt. Auf der anderen Seite ist aber die Schuldfrage noch gar nicht geklärt und Adolf Sauerland selbst sagte in einem Interview mit der WAZ, dass wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, er für den Rest seines Lebens für 20 Todesopfer verantwortlich gemacht werden würde.

Und ich finde, dass das einen berechtigten Einwand darstellt. Gleichwohl müsste er aber zumindest als Chef der Stadtverwaltung die politische Verantwortung übernehmen und von seinem Amt zurücktreten. Dies ist meines Erachtens unabhängig von einer persönlichen Schuld zu werten, die separat geklärt werden muss.

Nichtsdestotrotz rechtfertigt auch sein kritikwürdiges Klammern an seinem OB-Posten natürlich in keinster Weise die gegen ihn und seine Familie ausgesprochenen Drohungen. So sehr ich auch die Wut und den Zorn der Hinterbliebenen und Angehörigen der Getöteten und Verletzten nachvollziehen kann, ist bei einer solchen plumpen Gewaltandrohung mein Verständnis aufgebraucht. Wir leben in einem Rechtsstaat und nicht in einer Bananenrepublik, wo der wütende Mob blutige Lynchjustiz üben kann!

Auf der Internetseite “Der Westen” gibt es einen Artikel, der über die Morddrohungen berichtet. In der Kommentarfunktion, die von der Redaktion wie immer fleissig zensiert wird, sympathisierte jemand offen mit den Morddrohungen und schlug anderen Kommentatoren die zur Mäßigung aufriefen vor, “einfach mal das Maul zu halten”. Der entsprechende Kommentar ist mittlerweile gelöscht worden, gleichzeitig habe ich bei der Polizei Anzeige erstattet, weil ein Aufruf zu einem Mord, bzw. einen solchen zu befürworten, einen ganz klaren Straftatbestand darstellt. Manche Menschen unterliegen der fatalen Fehleinschätzung, dass sie im Internet völlig anonym sind und sich deshalb ohne Konsequenzen alles erlauben können. Aber das ist ein Irrtum!

Wie bereits weiter oben erwähnt, ist die Treibjagd auf Herrn Sauerland für mein Empfinden auch durch die Medien hochgepuscht worden. In jedem zweiten Artikel den man irgendwo liest, weiß irgendein schlauer Kommentator, der die Weisheit nicht nur mit Löffeln, sondern sogar mit Suppenkellen gefressen hat, es besser und beglückt – trotz laufender Ermittlungen – seine Leserschaft mit erhellenden Tatsachen und unbelegten Beweisführungen die darin münden, dass der Oberbürgermeister alles Schuld ist. So geschehen vor allen Dingen bei der Duisburger Lokalredaktion von “Der Westen”, wo sich ein paar übereifrige Amateur-Lokaljournalisten dazu auserkoren fühlten, vorschnell zu richten.

Aber wenn wundert’s? In dieser Stadt ist ja sonst nicht viel los und wenn man als Highlight in der Redakteurskarriere ansonsten nur über Fahrraddiebstähle am Hauptbahnhof oder geklaute Handtaschen von alten Ommas berichten kann, so ist es für den ein oder anderen Lokalredakteur-Fuzzi natürlich nun ein gefundenes Fressen, sich als Großer unter den Gerechten und Weisen emporzuschwingen und leidenschaftliche Plädoyers für den Abgang Sauerlands aus ihren Tastaturen zu saugen.

Nun ist der Zeitpunkt erreicht, wo das Schmierentheater um die Schuldfrage anfängt, wirklich abartig zu werden!


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E-Mail an den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg

27 Jul

Angesichts der Opfer, die die Loveparade in Duisburg gefordert hat, bin auch ich traurig, wütend und zornig. Dennoch: Der Hass und die Wut, die den Verantwortlichen nun entgegenschlägt, halte ich nicht für gerechtfertigt. Es ist völlig unhaltbar anzunehmen, dass die Stadtverwaltung, insbesondere in der Person von Oberbürgermeister Adolf Sauerland, den Tod so vieler Menschen bewusst herbeigeführt hat. Die Loveparade war nicht zuletzt auch ein Prestigeprojekt der Veranstalter der “Ruhr.2010″ – somit war auch der Druck, der auf der Stadt lastete angesichts dieses Hintergrundes nicht vergleichbar mit der Absage, die im Jahre 2009 zur Absage der Loveparade in Bochum führte. Viele Verantwortliche wollten diese Loveparade auf Biegen und Brechen durchführen – nicht nur aus Duisburg – und das ungeachtet der prekären Finanzlage unserer Stadt! Es ist kein Geheimnis, dass auch der Oberbürgermeister der Stadt Duisburg zu den Favorisierern gehörte – dennoch ist es aberwitzig zu behaupten, dass es keine Planungen gegeben hätte; dass die Entscheidungsträger einfach mal die Menschen “hat kommen lassen”.

Das Sicherheitskonzept als solches hatte Lücken – das ist keine Frage, denn sonst hätten wir nunmehr nicht 20 Tote zu beklagen – es ist aber nicht zu rechtfertigen, dass den Entscheidungsträgern nun so viel blinder Hass entgegenschlägt. Man kann hier wohl eher von menschlichem Versagen sprechen – und davon, dass die Loveparade für die Stadt Duisburg eine Nummer zu groß gewesen ist.

Die Ministerpräsidentin von NRW, Hannelore Kraft, hat diesbezüglich bereits darauf hingewiesen, dass solche Großveranstaltungen zukünftig direkt durch das Innenministerium betreut werden müssten, wo erfahrene Kräfte, die mit solchen Massenaufläufen vertraut sind, die Planungen übernehmen und nicht kommunale Kräfte, die auf diesem Gebiet keine bis wenige Erfahrung haben und somit das Scheitern immer eine große Option ist.

Der Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland, hat am 25.07. den Ort des Geschehens besucht und Blumen niedergelegt. Daraufhin ist er nicht nur ausgebuht worden, sondern auch mit Eiern beschmissen worden – und das, wo die Schuldfrage noch nicht mal im Ansatz geklärt ist. Es ist auch für mich keine Frage, dass Herr Sauerland als OB zurücktreten sollte, jedoch hat er eine solche Behandlung – zumal er als Trauernder zum Unglücksort gekommen ist – nicht verdient! Es ist immer leicht, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, der in der Verantwortung steht, jedoch muss man in einem Rechtsstaat zunächst mal abwarten, wie es um die Wahrheit bestellt ist, bevor man jemanden an den Pranger stellt!

Besonders aufschlussreich ist auch dieser lesenswerte Artikel auf Spiegel-Online: Imageprojekt Loveparade – Party um jeden Preis

Ich habe Herrn Sauerland heute Abend eine E-Mail geschrieben, weil ich mich das wirklich bedrückt hat

Sehr geehrter Herr Sauerland,
obwohl ich der Meinung bin, dass Sie in Anbetracht der schrecklichen Ereignisse vom vergangenen Samstag als Oberbürgermeister der Stadt Duisburg zurücktreten sollten, um weiteren Schaden von unserer armen und gebeutelten Stadt abzuwenden, möchte ich Ihnen auf diesem Wege aber auch meine Anteilnahme an Ihrem persönlichen Schicksal aussprechen. Ich habe die Bilder im Fernsehen gesehen, als Sie beim Besuch des Ortes der Tragödie angepöbelt und mit Eiern beworfen worden sind. Und ich habe Sie auch bei der Pressekonferenz gesehen. Ja, die Kritiker sagen, dass die PK eine Farce gewesen sei; dass Sie hilflos agierten und Antworten schuldig blieben. Aber: Was sollen Sie auch sagen in Anbetracht dieser unfassbaren Tragödie und wo es noch gar keine ausreichenden Hergänge gibt, die das Geschehene zu rekonstruieren vermögen?!
Ich bin tief davon überzeugt, dass Sie – ebenso wie Herr Rabe, Herr von Schmeling und auch Ihre Mitarbeiter – niemals den Tod so vieler Menschen billigend in Kauf genommen haben und ich finde, dass Sie eine solche Behandlung nicht verdient haben, wobei man aber auch den Zorn der ohnmächtigen Menschen verstehen kann, die nun für ihre verzweifelte Wut ein Ventil suchen.
Es tut mir für Sie persönlich sehr leid, denn man kann Ihr Entsetzen, Ihre Anteilnahme und auch Ihre mentale Erschöpfung in diesen Tagen Ihrem Gesicht ablesen. Dies sind schwere Stunden für uns alle, aber besonders für Sie, der Sie nunmal an der Spitze dieser Stadt stehen und die schwere Bürde der Verantwortung tragen müssen!
Möge Gott Ihnen Kraft dafür geben – und möge er auch unsere arme und schwer geprüfte Vaterstadt schützen, die all das nicht verdient hat! Es tut mir so leid – für die Opfer, für Duisburg und auch für Sie! Passen Sie auf sich auf!
Herzliche Grüße aus Rheinhausen,
Ihr
Michael Fengler
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Das Grauen von Duisburg – Loveparade am 24.07.2010

25 Jul

Die Duisburger Loveparade sollte ein Fest der Freude werden – unter dem Motto “The Art of Love” reisten Hunderttausende in unsere Stadt, um friedlich zu feiern und auch die Stadt Duisburg erhoffte sich im Jahr der Kulturhauptstadt einen beträchtlichen Imagegewinn. Doch es kam anders: Am Ende des Tages waren 19 Tote und hunderte Verletzte zu beklagen. Und im Raum steht die Frage: Wer hat dafür die Verantwortung zu tragen? Wer hat Schuld an diesem Desaster, welches unsere arme und gebeutelte Stadt noch weiter ins Unglück reißt und den Namen “Duisburg” auf Jahre hinaus mit Tod und Unglück in Verbindung bringt?

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Merkel braucht ein Sommermärchen!

14 Jun

Deutschland muss sparen. Das weiß jeder, der sich nur ein wenig mit der desolaten Finanzlage unseres Landes beschäftigt. Und weil wir so dringend sparen müssen, ist die erste Einsparungsmaßnahme die, dass wir uns auch nur noch billige Ausreden dafür leisten können, wo wir mit dem Sparen anfangen sollten…

Der amerikanische Drehbuchautor Dennis O’Neil prägte einmal den Satz: “Für Geld kann man sich keine Freunde kaufen, aber es verschafft einem zumindest ordentliche Feinde.” – und um diese brauchen sich Merkel und ihre Regierungsmannschaft in diesen Tagen nun wirklich nicht zu sorgen. Dabei könnte Merkel zur Zeit etwas Ruhe gebrauchen: Zuerst kommt ihr der Bundespräsident abhanden und auch der von der Union favorisierte Nachfolger Christian Wulff findet in der Koalition nur verhaltene Zustimmung; dazu gibt es im schwarz- gelben Bündnis auch sonst mal wieder richtig Krach: Von Wildsäuen und Gurkentruppen ist da die Rede, weil es mit einer Einigung der Juniorpartner FDP und CSU bei der Gesundheitsreform einfach nicht klappen will. Merkel, ganz die Übermutti, rief anschliessend die kleinen Partner zur Ordnung: “Diese Wortwahl ist nicht nachahmenswert und trägt auch nicht dazu bei, dass so hart gearbeitet werden kann, wie das notwendig ist”. Klasse, das hat gesessen!

Doch auch trotz dieses Machtwortes: die Stimmen, die Angela Merkel eine Führungsschwäche attestieren, werden immer lauter. Zuletzt war es gar die Junge Union, die von der Kanzlerin mehr Führung einforderte. Auf die Frage, ob denn ihre Autorität in Frage stehe, antwortete sie gegenüber einem Jornalisten, der einfach mal nachgefragt hatte, nur ein knappes “Nein!”. Was hätte sie auch anderes antworten sollen?

Quasi als Sahnehäubchen hat die Koalition dazu noch ein gigantisches Sparpaket vorgestellt, mit dem weiteres Ungemach droht, denn dieses 80 Milliarden-Paket wiegt so schwer, dass auch der stärkste Kanzler dieses nicht ohne Blessuren zu erleiden durch seine Amtszeit würde tragen können. Nun steht der Riese Merkel angesichts dieser Last und der sonstigen Querelen zwar wankend da, doch fällt er nicht. Noch nicht.

Die bittere Pille, die Merkel und ihre Mannen dem Volke mit ihrem Sparpaket verabreichen zu beabsichtigen, hat nämlich starke Schlagseite und trägt eine eindeutige konservativ- neoliberale Handschrift. Dies wird unausweichlich dazu führen, dass die Opposition mit voller Breitseite auf die auf tönernen Füßen stehende Merkel feuern wird, denn diese wird sich das sozial völlig unausgewogene Sparpaket nicht ohne Protest vor die Nase setzen lassen.

Ein wenig feixen kann vielleicht noch Guido Westerwelle. Der glücklose Außenminister und Parteivorsitzende der FDP konnte die Pläne seiner selbsternannten Steuersenkungspartei zwar nicht durchsetzen, weil es bedingt durch das Sparpaket keine weiteren Steuersenkungen geben wird, jedoch konnte er verhindern, dass sich Vertreter der Union mit Steuererhöhungen, z.B. einer erhöhten Steuer für Wohlhabende, durchsetzen konnten. Nach den weitgehend verpatzten Steuersenkungsplänen hätten Erhöhungen seine Wählerschaft und seine Partei wohl vor eine Zerreißprobe gestellt.

So bleibt der Kanzlerin in diesen Wochen nur eines: Kräftig die Daumen drücken, dass Deutschland bei der Fußball-WM Weltmeister wird und die schwarzen Wolken für ein paar Wochen der Siegeseuphorie weichen. Denn wie hieß es schon bei den Rolling Stones: “Angie, Angie, when will those clouds all disappear? Angie, Angie, where will it lead us from here ? “.

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